Lisa Doneff - Lichtblicke Fotografie - Fotografin aus Franken - Buchempfehlung - Book of you

Ich hatte es nicht immer einfach.Seit ich 3 Jahre alt bin, habe ich Neurodermitis. Ziemlich schlimm sogar. Mit 10 Jahren hatte sie Ihren Höhepunkt erreicht. Ich war ständig in Kliniken, meine ganze Haut war wie Feuer. Es hat gebrannt, gejuckt, genässt und mir ging es richtig mies. Das schlimmste war, als mir meine Haare ausgingen. Oft wurde ich in der Schule deshalb verarscht. Meine Mitschüler wollten teilweise nicht einmal neben mir sitzen, weil ich ja so ekelig war. Es war eine verdammt harte Zeit. Ich lag oft zu Hause im dunklen Zimmer, weil ich mich selbst nicht mehr sehen wollte. Immer wenn ich mich umziehen musste, hab ich die Rollos runtergelassen. Ich fand mich selbst einfach hässlich.
Viele Ärzte haben wir damals ausprobiert, vom klassischen Schulmediziner, über diverse Heilpraktiker, einen etwas merkwürdigen Wunderheiler aus Saarbrücken bis zur TCM ( Traditionelle Chinesische Medizin). Diese hat mir dann schlussendlich auch geholfen. 6 Wochen war ich damals in Bad Kötzting auf Kur, hab täglich Qi-Gong gemacht, wurde akupunktiert, hatte Psychotherapie und bekam ziemlich ekelige Tees mit Heilkräutern. Nach einem Jahr aber, war es wirklich soo viel besser. Ich bin unendlich dankbar dafür und dass nur noch ab und zu kleine Schübe kommen.
Narben sind trotzdem geblieben. Am Hals, am Bauch, den Füßen und Händen. 

Mit 14, als die Haut endlich besser war und ich auf einer neuen Schule, bekam ich urplötzlich immer wieder starke Magenkrämpfe und Sodbrennen. Erst dachten wir, es ist eben nur ein klassischer Magen Darm Infekt, aber als es gar nicht aufhörte und sich über Wochen hinzog musste ich das erste Mal zur Magenspiegelung. Dort kam heraus, das ich eine starke Entzündung in der Speiseröhre und eine Refluxösophagitis habe. Ich wusste bis zu dem Zeitpunkt auch nicht was das ist, aber mir wurde es so erklärt, das die Magenöffnung nicht mehr richtig schließen kann und so die Magensäure sehr leicht zurück in die Speiseröhre fließt. 
Ab diesem Zeitpunkt musste ich täglich zwei Tabletten schlucken. Das Sodbrennen wurde wirklich besser, aber die Magenkrämpfe blieben. Ich merkte aber auch schnell, dass ich meistens Probleme damit hatte, wenn ich Stress hatte oder aufgeregt war. Nach jedem Essen kam es mir wieder hoch, mir war dauernd schlecht und mein Körper reagierte auf den kleinsten negativen Gedanken. Mit der neuen Ausbildung mit 16 kamen auch irgendwann richtige Angst – und Panikattacken hinzu.

War echt nicht so geil. Ich lief nur noch mit Wärmflaschen herum, weil die Schmerzen so dann einigermaßen erträglich waren. Durch die ständige Wärme, kamen dann auch noch mehr Narben und Verzeichnungen am Bauch und den Oberschenkeln hinzu. Vorher waren es nur ein paar durch die Neurodermitis, da war es für mich nicht so schlimm, aber jetzt…… Es sah aus wie eine Landkarte mit unterschiedlichen Farben, Erhöhungen und rauen Stellen. Ihr glaubt nicht wie mies ich mich, vor allem eben in meiner Pubertät gefühlt habe. Ständig hab ich an mir gezweifelt, fand mich hässlich, hab mich nur verglichen und mir ging es immer schlechter. Die Panikattacken wurden von Tag zu Tag schlimmer, bis ich irgendwann mindesten 3 am Tag hatte. Es war einfach keine Lebensqualität mehr vorhanden. Ich konnte nicht alleine sein, mein Freund war auch ziemlich fertig damals und ich hab dann schweren Herzens meine Ausbildung abgebrochen (Ich war auf der Fachakademie für Sozialpädagogik, Kinderpflegeausbildung hatte ich aber dennoch in der Tasche).

Ich war in vielen Kliniken, aber keine hat mir wirklich geholfen. Erst als ich im Dezember 2015 so fertig war, das ich nur noch 32 kg wog. Nein ich hatte keine klassische Essstörung, aber da ich nach jedem Essen Magenkrämpfe hatte, wollte ich irgendwann nicht mehr. Essen war scheiße…. Ich mein hallo? Wenn es mir immer danach schlecht ging, muss ich mir das ja nicht antun. Im Nachhinein irgendwo verständlich, aber auch nicht wirklich der richtige Weg.
Im Dezember 2015 war ich in einer offenen Psychosomatik und wegen meinem extremen Untergewicht wollten mich die Ärzte in die geschlossene Station stecken. Alle dachten ja, ich hätte Bulimie oder etwas ähnliches. Es war einfach hart, nicht verstanden zu werden. Nicht mal mein Psychotherapeut hatte mir damals geglaubt. Ich hatte nämlich nur die ständigen Krämpfe nach dem Essen, Angst keine Luft mehr zu bekommen, da sich alles immer so eng angefühlt hat. Das war und ist bis heute meine einzige Angst. Als ich dann aber ein paar Stunden in diesem videoüberwachten Glaskasten saß wusste ich, hier kann ich nicht bleiben. Hier gehe ich gänzlich kaputt.

Also hab ich mich selbst entlassen. Und glaubt mir, das war echt ein harter Kampf. Das Gute war, das meine Mutter gänzlich hinter meiner Entscheidung stand. Als ich wieder zu Hause war, hab ich angefangen zu kämpfen. Ich hab mir selbst in den Arsch getreten, weil ich wusste: Entweder du schaffst es jetzt selbst, oder du liegst irgendwann im Krankenhaus und wirst per Magensonde ernährt. Und das wollte ich auf keinen Fall. 
Also kämpfte ich. Gegen die vielen negativen Gedanken und meine Angst. 
Ich hab mir einen Essensplan aufgestellt (6-8x am Tag nur ganz kleine Portionen, damit ich danach nicht so starke Krämpfe habe), hab das Meditieren begonnen, hab mir ein Dankbarkeitstagebuch zugelegt und gleich eine neue Psychotherapeutin.

Und ja was soll ich sagen….es wurde langsam. Zwar langsam, aber immerhin. Im Dezember 2015 wog ich 32 Kilo und im April schon wieder 40. Ich wollte es einfach schaffen. Raus aus dem ganzen Scheiß. Dabei hat mir die Fotografie unglaublich geholfen. Ich hab ja schon immer nebenbei als Hobby super gerne fotografiert, aber in der Zeit war es mein einziger Anker. Ich hab alles aufgesogen, was mit Fotografie zu tun hatte. Bücher gelesen, YouTube Videos geschaut, ganz ganz viel ausprobiert und mir dann auch meine ersten Spiegelreflexkamera gekauft. Es tat einfach so gut, endlich wieder einen Fokus im Leben zu haben. Ja es war zeitweise immer noch Kacke, das ist es heute noch manchmal, aber ich hab gelernt damit umzugehen. Ich weiß mit was und wem ich mich umgeben muss und wie ich mir etwas Gutes tun kann. Ich habe meinen Körper mittlerweile gänzlich akzeptiert, denn er hat schon so verdammt viel mit mir mitgemacht und tut immer noch seine Arbeit. Er zickt zwar manchmal etwas rum, aber da will er mir meistens nur sagen, das ich wieder etwas langsamer machen soll. Klar, denke ich mir manchmal: Ich hätte auch gern wieder einen schönen Bauch, ohne Narben etc. Aber ganz ehrlich? Was sagt das denn über dich aus? NICHTS. Wichtig ist wer du bist und was in deinem Herzen liegt. Mittlerweile geh ich sogar wieder ins Schwimmbad, oder zieh mir trotz Narben oder Neurodermitis kurze Hosen an im Sommer. Denn keiner ist perfekt. Jeder hat seine Macken und kämpft ab und an mal damit.  Deswegen ein Appell an Euch: Nehmt euch bitte bitte so an wie Ihr seid, liebt euch mit all euren Macken, auch wenn sie manchmal nerven. Ihr dürft auch manchmal jammern, aber dann macht euch wieder bewusst: Ohne euren Körper wärt Ihr NICHTS.